Oberösterreich Niederösterreich / Wien Burgenland Steiermark
Anmelden
Suchen
Kontakt
Burgenland Steiermark
Startseite
Österreichs Zuckerrübenanbau
Entwicklung des österreichischen Rübenbaus
Zucker und Gesundheit
Umweltleistung der Zuckerrübe
Zuckermarktordnung
Zucker in einer globalisierten Welt
Von der Rübe zum Zucker
Presseinfos
Links

Zuckermarktordnung

 





Manche sagen,
Zucker zum Weltmarktpreis
würde die europäischen Verbraucher
um einiges erleichtern.







Stimmt.


Um ihre Kulturlandschaft zum Beispiel.

Und um ihre Umweltstandards.

Um die lohnpolitische Sicherheit.

Und um die beschäftigungspolitische Verantwortung.

Um unvergleichliche Qualität und Vielfalt.

Und um Fairneß im Wettbewerb.

Fazit:




Um ihre Kulturlandschaft zum Beispiel.



Kulturlandschaft

Nichts prägt das Bild unseres Landes mehr als unsere Kulturlandschaft. Man kennt sie, genießt sie und möchte sie nicht missen. Und doch hat niemand sie uns einfach so geschenkt, kein öffentliches Vorhaben hat sie geschaffen. Sie ist ein immer schon mitgeschaffenes „Nebenprodukt“ unserer Agrarwirtschaft. Ein Produkt freilich, das nicht zum Billigpreis zu haben ist.

Als fundamentale Dienstleistung an der Gesellschaft rechtfertigt sie vielmehr ein angemessenes Maß gemeinschaftlicher Anstrengungen. Denn das, was den unverwechselbaren, lebendigen Charakter unserer Regionen bewahrt und entwickelt, verdanken wir unserer heimischen Nahrungsmittelerzeugung: einer landwirtschaftlichen Produktion, die naturgemäß einen wesentlichen Teil ihrer Anstrengungen der Erhaltung und Pflege unserer Landschaft widmet.

Und das heißt auch: Rüben- und Zuckerpreise, die den Landwirten ihre Existenz sichern. Als marktpolitisches Instrument schafft die Zuckermarktordnung dafür die notwendigen Rahmenbedingungen – zum Schutz der landwirtschaftlichen Produktion und zur Sicherstellung der Versorgung. Preis- und Abnahmegarantien für eine begrenzte Menge tragen dazu bei, die Erzeugungskosten zu decken. Und ein Außenhandelsschutz für Zucker hält die Binnenpreise auch bei Schwankungen auf dem Weltmarkt stabil.

Zum so genannten Weltmarktpreis wäre die heimische Erzeugung allerdings nicht möglich. Und schon gar nicht wünschenswert. Denn kostendeckende Produktion bei rigiden Billigpreisen würde ein Wirtschaften anderer Art erzwingen. Eine Rohstoffproduktion nämlich mit geballten Monokulturen und tristen landwirtschaftlichen Industrieparks. Kurz: Landbewirtschaftung und Lebensmittelerzeugung unter sozialen und umweltpolitischen Dumping-Bedingungen. Und das kann in Europa niemand ernsthaft wollen.



Und um ihre Umweltstandards.



Umweltstandards

Schon heute kommen mehr als 10% der Gesamtinvestitionen des europäischen Zuckersektors unmittelbar dem Umweltschutz zugute. Konsequent wird die zur Klimavorsorge getroffene Vereinbarung umgesetzt, den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen bis zum Jahre 2005 um 20% zu reduzieren. Und mit der durch die Marktordnung gegebenen Quotenverteilung über die gesamte Europäische Union verhindern wir eine ökologisch bedenkliche Konzentration des Anbaus auf wenige Standorte.

Europa ist „nicht umsonst“ Vorreiter in der Durchsetzung notwendiger Maßnahmen zum Schutz der Umwelt: Weil sie uns lieb und teuer ist, lassen wir uns ihren Erhalt etwas kosten. Andere Staaten tun das nicht und können so die Herstellungskosten senken. Beispielsweise wurden in Asien nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank von den jährlich erforderlichen 245 Mrd. Dollar für Umweltschutz 1995 ganze 38 Mrd. investiert.* Wachsende Umweltprobleme in vielen wirtschaftlich aufstrebenden Entwicklungsländern zeugen von den Folgen.

So macht man mit künstlichen Niedrigpreisen die Rechnung ohne die Umwelt. Und verkennt, dass marktpolitische Kontrollmechanismen dazu beitragen, nachhaltige Entwicklungen jenseits bloßer Wachstumszahlen zu ermöglichen. Natürlich wäre es illusorisch zu glauben, alle Welt warte nur darauf, die EU-Standards zu übernehmen. Umso klarer müssen wir Europäer uns zu den hohen Anforderungen an unsere Land- und Zuckerwirtschaft bekennen – und sie entsprechend honorieren.

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. 9. 97



Um die lohnpolitische Sicherheit.





Für Zucker wie für andere Produkte gilt: Niedrige Preise setzen niedrige Produktionskosten voraus – wobei geringe Lohnkosten eine wesentliche Rolle spielen. Nun liegt das westeuropäische Lohnniveau bekanntermaßen über dem anderer Weltregionen. Und so ist es keine Überraschung, wenn die Stundenlöhne in der Zuckerindustrie einiger Entwicklungsländer mitunter gerade ein Hundertstel der durchschnittlichen europäischen Einkünfte ausmachen. Keine Frage: Die Verhältnisse lassen sich nicht übertragen. Und die Preise eben auch nicht.

Unser Zuckerpreis entspricht – wie alle anderen Waren, Güter und Dienstleistungen auch – unserem Lebens- und Leistungsstandard. Der europäische Verbraucher zahlt einen Preis, der im internationalen Vergleich der Volkswirtschaften dem Lohnniveau und der jeweiligen Kaufkraft entspricht.

So macht es wenig Sinn, die Preiswürdigkeit des EU-Zuckers am Weltmarktpreis zu messen. Dieser würde bestenfalls einen Bruchteil der realen Produktionskosten decken und ließe sich nur mit rigorosem Sozialdumping realisieren: einer Produktion, die auf Umwelt und Löhne keine Rücksicht nimmt. Eine ökonomisch falsche Orientierung an Niedrigstpreisen, die unser sozial- und tarifpolitisches Gefüge zerstört, kann jedoch nicht in unserem Interesse liegen.

Wir brauchen den stabilisierenden Außenschutz unserer Marktordnung.



Und um die beschäftigungspolitische Verantwortung.



Kochturm

Ohne Fleiß kein Preis: Davon wissen unsere Landwirte und Rübenanbauer ein Lied zu singen. Doch wer von ihnen verlangt, sie mögen nach der Devise „Trotz Fleiß kein Preis“ ans Werk gehen, muss sich über die Konsequenzen im klaren sein: Lassen wir unsere in der Marktordnung geregelten Preise fallen, so lassen wir auch unsere Landwirte fallen. Man mag es Liberalisierung, Anpassung oder Reform nennen: Preiskürzungen bedeuten de facto Einkommensverluste – und damit das Aus für zahllose landwirtschaftliche Betriebe.

Dabei schaffen unsere bestehenden Marktregelungen doch gerade in strukturschwachen ländlichen Räumen die Grundlagen für wirtschaftlich funktionierende Regionen. Dies zu ändern, hieße einen tief greifenden sozialen Kahlschlag heraufzubeschwören. Mit massiven Folgen nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Beschäftigten in der Zuckerindustrie und davon abhängiger Gemeinden: Stirbt der Bauer, stirbt das Land.

Auf die gesicherte Versorgung durch die bäuerliche Landwirtschaft aber können die Verbraucher gar nicht verzichten. Denn die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln steigt und kann auf Dauer vom Weltmarkt nicht in wünschenswerter Menge und Qualität befriedigt werden.

Auf die Folgekosten von Reformexperimenten können die Verbraucher und Steuerzahler dagegen sehr gut verzichten: Die Rechnung für beschäftigungspolitischen Notstand auf dem Lande und wachsende Staatsabhängigkeit der Landwirte hätten zweifellos sie zu zahlen.



Um unvergleichliche Qualität und Vielfalt.



Zuckervielfalt

Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Und Weltmarktzucker nicht mit EU-Zucker. Die Grundsubstanz ist zwar dieselbe. Doch nicht das wirkliche Preis-Leistungsverhältnis. Tatsächlich bietet der Gemeinschaftszucker mehr. Mehr Qualität vor allem, dank höherer europäischer Standards. Und mehr Angebot aufgrund größerer Produktvielfalt: Leistungen, die vergleichbar nicht auf dem Weltmarkt, geschweige denn zum Weltmarktpreis, zu haben sind.

Zum selbstverständlichen Leistungspotential des europäischen Zuckers zählt auch das hohe Maß an Planungssicherheit für die Verarbeiter. Die kontinuierliche Marktversorgung macht sie unabhängig von schwankenden Entwicklungen am Weltmarkt – und von eigener, kostenintensiver Bevorratung. Schon die geographischen Vorteile der Zuckererzeugung und -vermarktung vor Ort liegen buchstäblich nahe. Von Kundennähe durch ausgefeilte Logistik, kurzen Transportwegen und bedarfsgerechter Just-in-time-Lieferung nicht zu reden.

Keine Frage: Die Erwartungen der europäischen Verbraucher an Produkte und deren Qualität sind hoch. Ihre Ansprüche an eine gesunde und umweltfreundliche Produktion wachsen. Gut so. Denn dank intensiver Forschung und Entwicklung, modernen Qualitätsmanagements und hoch entwickelter Technik können die europäischen Rübenanbauer und Zuckerproduzenten dem Rechnung tragen – zu einem leistungsgerechten Preis, versteht sich.



Und um Fairneß im Wettbewerb.



Waage

Chancengleichheit gibt es nicht von selbst. Weder im menschlichen Leben, noch im Wirtschaftsleben und schon gar nicht im internationalen Handel. Man muss die Voraussetzungen für faire Konkurrenz vielmehr schaffen. Und das in einer Weise, die für einen gerechten Interessen- und Lastenausgleich sorgt: So wie es unsere Marktordnung im Bereich der Zuckerwirtschaft tut.

Zu ihren Vorzügen gehört die Haushaltskostenneutralität. Das heißt: Der Steuerzahler wird durch Ausgleichszahlungen nicht belastet. Die bei niedrigen Weltmarktpreisen notwendigen Erstattungen für Exportzucker werden nämlich durch Abgaben der Anbauer und Hersteller selbst finanziert. Zudem sind alle zuckerhaltigen Verarbeitungserzeugnisse in die Außenhandelsregelungen einbezogen. Für sie gibt es Exporterstattungen bei der Ausfuhr in Drittländer ebenso wie Zölle auf importierte Konkurrenzprodukte: Womit für ihre volle Wettbewerbsfähigkeit gesorgt ist.

Solche Marktregelungen sind dabei beileibe kein europäisches Unikum, sondern Praxis aller wichtigen Erzeuger- und Verbraucherländer. De facto unterliegen vier Fünftel des erzeugten Weltzuckers Präferenzbestimmungen. Der vielbeschworene freie Weltmarkt ist damit als Restmarkt nicht mehr als eine Fiktion. Eine ebensolche Fiktion sind die im internationalen Vergleich vermeintlich überhöhten EU-Preise: Tatsächlich liegen sie unterhalb der Mehrheit anderer Staaten, wirft man nationale Industriesubventionen, niedrige Lohnniveaus und unzureichende Umweltvorsorge mit in die Waagschale.*

*A Study of Sugar Policy in Selected Countries.
LMC International Ltd. London/New York, 1997



Fazit:



Euroflagge

Paradox, aber wahr: Billiger Weltmarktzucker käme uns teuer zu stehen. Denn mit dem Weltmarktpreis gäben wir das preis, was uns in Europa weltweit auszeichnet: unsere hohen gesellschafts-, umwelt- und sozialpolitischen Standards.

In jedem europäischen Zuckertütchen steckt das, was wir unserer Land- und Zuckerwirtschaft aus gutem Grund – und zu einem angemessenen Entgelt – abverlangen und was in Übersee eben nicht erbracht werden muß, nämlich umwelt- und sozialverträglich erzeugte Höchstqualität. Die tatsächlichen Kosten und Kostenunterschiede des Zuckers werden nur dann wirklich greifbar, wenn wir uns klarmachen, welches Maß landschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ressourcenschröpfung andernorts für die Zuckererzeugung draufgezahlt werden muß. Dies sind Lasten, die auf den Preisschildern des Weltmarktzuckers nicht auftauchen. Sie machen deutlich, was unser Gemeinschaftszucker wert ist: seinen Preis.

Eine differenzierte Sicht verdient im übrigen die gesamte, als überteuert geltende, europäische Agrarpolitik. Daß sie die Hälfte des EU-Budgets ausmacht, ist mehr als verständlich. Denn im Gegensatz etwa zur Sozial- oder Rentenpolitik ist sie die bislang einzig wirklich gemeinsame Politik der EU. Mit Recht kann man daher der Agrarpolitik im Prozeß der europäischen Integration eine Vorreiterrolle bescheinigen.

Und die Zuckermarktordnung kann Modellcharakter innerhalb der europäischen Agrarpolitik beanspruchen: Sie besitzt den Vorzug, die öffentlichen Kassen nicht zu belasten. Und sie kommt unmittelbar der Landwirtschaft zugute. Deshalb hat sie stets breite politische Bestätigung gefunden: Die Ordnung ist in Ordnung.






Quellen: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker, Bonn


Copyright © 2002 by rübenbauern.atKontaktpowered by JPETo Logo JPETo™ Content Management System